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Samstag, 7. Mai 2022

Tag 10 Snæfellsnes

Wetter: Ein Mix aus Sonne und Wolken, 1x ein 3-Minuten Regen. 7°C
Start - Ende: 10:00 in Stykkishólmur, 18:45 in Stykkishólmur
Gefahrene Kilometer: 215 km 
Gegangene Kilometer: 11 km
 
 
 

 
 
Der heutige Tag ist vollgepackt mit Landschaft, Landschaft und nochmals Landschaft :-) 
Wir befinden uns auf der Halbinsel Snæfellsness, der wir einen ganzen Tag widmen wollen. 
Von Stykkishólmur fahren wir gegen den Uhrzeigersinn der Nordküste entlang bis wir den Nationalpark Snæfellsnes an der Westspitze erreichen. Über die Südküste gehts wieder retour nach Stykkishólmur. 

Zu Beginn gings auf den Berg - naja, wohl eher Hügel - Helgafell. 
Der Sage nach werden den Wanderern drei Wünsche erfüllt, sofern man drei Dinge beachtet: 
Man darf sich beim Aufstieg nicht umdrehen.
Man darf beim Aufstieg kein Wort sagen.
Man muss beim Wünschen Richtung Osten blicken. 

Helgafell


Die Kombination aus Sonne und Wolken zauberte heute prächtigste Farbenspiele auf Islands Naturschätze.
 





Einen Spontanbesuch statteten wir Islands Hauptproduzenten der Spezialität Hákarl ab. Harkal ist fermentierter Grönlandhai. 
Das Fleisch des Hais ist giftig, erst durch Fermentation wird es neutralisiert. Das Fleisch wird hierfür in 5-10 kg schwere Stücke geschnitten und in einen gut durchlüfteten Holzbehälter geschichtet. Wichtig ist, dass die Temperatur nicht über 8 Grad steigt. Nach mehreren Wochen wird das Fleisch entnommen und an die frische Luft gehängt - nach insgesamt mehreren Monaten ist der Fisch verzehrfertig. 
Der Verzehr von Harkal wird ja in den Medien ähnlich zelebriert wie das Essen des schwedischen Surströmming. 
Bestalischer Geruch, Geschmack dann allerdings gar nicht sooo schlecht. 
Nun, bei der anschließenden Kostprobe waren wir - ich weiß jetzt nicht mal wie ichs beschreiben soll - enttäuscht, da wir uns tatsächlich einen Geruch erwartet hätten, der uns erschaudern lässt. 
Riechen tut der Grönlandhai bei Tisch allerdings nicht so streng wie man meinen würde. Ein leicht stechender Geruch - Ammoniak - kitzelt in der Nase und ein leichtes „bremseln“ spürt man im Mund. 



Als wir dann allerdings noch das Trockenhaus besichtigten, stieß uns tatsächlich der eigenartige Geruch (in etwa wie ein vergammelter Schlierbacher-Käse) entgegen, den wir schon zuvor erwartet hätten. 

Die gut durchlüftete Trockenkammer

Hakárl, gestern erst aufgehängt

...und der hängt schon ein paar Monate


Übrigens - der Grönlandhai kann bis zu 500 Jahre alt werden. Nach ihm wird nicht gezielt gefischt - wenn, dann geht er als Beifang ins Netz.
 
 
Saxhóll Krater


Ausblick vom Saxhóll-Krater auf das mit Moos überzogene Lavafeld




 
Der Kirkjufell

Felsformation am Djúpalónssandur

Djúpalónssandur


Djúpalónssandur

1 000 000 Vögel am Lóndrangar



Den Abend verbrachten wir wieder in Stykkishólmur. Wir haben gestern ein kleines Lokal gefunden (war nicht soooo schwer bei drei Lokalen zur Auswahl, Stykkishólmur hat immerhin knapp über 1000 Einwohner!), wo scheinbar hauptsächlich Einheimische essen gehen. Zumindest glauben wir so, denn die zwei Kellnerinnen haben mit fast allen anderen Gästen nicht Englisch gesprochen. Verstanden haben wir Nüsse. Muss also wohl Isländisch gewesen sein ;-) 
Gestern gabs Fisch, heute die schon gestern empfohlenen Muscheln :-)

Muscheln mit Pommes! Tatsächlich eine ziemlich geile Kombi!


Beautiful Stykkishólmur

Das "Narfeyrarstofa"

Freitag, 6. Mai 2022

Tag 09 Von Akureyri nach Stykkishólmur

 
Wetter: wiedermal Island-Style! Sonne, Wolken, Regen, Schnee - zwischen 0°C und 5°C
Start - Ende: 09:30 in Akureyri - 18:45 in Stykkishólmur
Gefahrene Kilometer: 445 km 
Gegangene Kilometer: 7,5 km
 

 
 
 Heute steht uns der autoreichste Tag unserer Reise bevor. Zwischen Akureyri und Stykkishólmur gäbe es zwar sehr wohl die ganzen kleinen Fjorde zum Ausfahren sowie zusätzlich die großen Westfjorde. Diese ebenfalls zu besuchen würde unseren 2-wöchigen Reiseplan jedoch absolut sprengen. 
Man siehts an der heutigen Kilometerstatistik: Wir fahren die rund 400 km bis Stykkishólmur am Stück und halten nur bei ein paar „Points of Interest“ an. 
 
 
Zum Beispiel den Hof „Glaumbær”. 
Die Gebäude wurden im 18. und 19. Jahrhundert errichtet. Aufgrund der zunehmenden Knappheit großer Bäume wurden in Island die Häuser in Torfbauweise errichtet. Durch die Kombination Grassoden (heutzutage bekannt als Rollrasen), Holz und Steinen entsteht ein stabiles, isoliertes Konstrukt. 

Glaumbær


getrockneter Fisch beim Hauseingang


Auch einen Halt wert war die Kolugljufur - eine 1 km lange und 50m tiefe Schlucht, die der Sage nach von der Trollfrau Kola bewohnt und auch gegraben wurde. 
 
 
Die Schlucht Kolugljufur...

 
...und der dazugehörige Wasserfall





Irgendwo zwischen Akureyri und Stykkishólmur

 
Auch irgendwo zwischen Akureyri und Stykkishólmur ;-)

 
Der Krater Grabrok in der Nähe von Borganes




Ankunft in Stykkishólmur





Mittwoch, 4. Mai 2022

Tag 07 Myvatn

 


Wetter: Sonne, bewölkt, zwischen 0°C und 2°C
Start - Ende: 09:00 in Akureyri - 21:45 in Akureyri
Gefahrene Kilometer: 242 km 
Gegangene Kilometer: 10 km

Heute steht der Myvatn (sprich: Mi-waht) auf dem Tagesprogramm. Dafür geht es nochmal rund 80 km retour Richtung Osten. 

Myvatn heißt übersetzt „Mückensee“ und weist auf die vielen Insekten hin, die sich dort im Sommer tummeln. 
Das Myvatn-Gebiet ist voll mit beeindruckenden Lavaformationen, Geothermalfeldern und Kratern. Die Ostseite des Sees hat diesbezgl. besonders viel zu bieten, weshalb wir uns hauptsächlich auf dieses Areal konzentrierten. 
Und da auf der Anfahrt plötzlich die Sonne hervorblinzelte, machten wir nochmal einen Zwischenstopp bei den Feldern Hverir, die uns gestern schon so in ihren Bann gezogen haben. Heute wanderten wir allerdings noch auf den gleich anschließenden „Námafjall“, der uns phantastische Blicke über Hverir gewährt. 

Hverir


blubbernde Schlammtöpfe

Blick vom Námafjell auf das Feld Hverir 

 
Die einzelnen Abschnitte im Myvatn Ost sind nur wenige Autominuten voneinander entfernt. 
So zum Beispiel das Lavafeld Dimmuborgir. Lava floss über einen Sumpf oder ein kleines Gewässer. Das Wasser unter dem Lava begann zu kochen und der entstehende Dampf schoss durch die flüssige Lava und kühlte diese ab. Die Lava floss weiter talwärts, nur die hohlen Lavasäulen blieben stehen. 
 

Die mystische Welt Dimmuborgirs



Bekannt ist folgende Höhle wahrscheinlich den „Game of Thrones“-Fans. 
Wir hätten liebend gerne ein Bad in dem einladenden Gewässer genommen. Bei ca. 45 Grad wärs uns dann doch etwas zu heiß geworden - die Höhle ist außerdem im Privatbesitz - Baden somit sowieso untersagt. 
 
 



In folgender Spalte beträgt die Wassertemperatur hingegen „nur“ ca. 30 Grad. Empfehlenswert ist das Baden darin dennoch nicht. Es findet kaum ein natürlicher Wasseraustausch statt, weswegen die Wasserqualität - wenn auch nicht sichtbar - darunter leidet. 
 
 

 

Bevors dann zum Entspannen ins Myvatn Nature Baths geht, spazierten wir noch auf den Krater Hverfjall. Einmal Rundherum hätte unser heutiges Kilometerkonto um weitere 3 km wachsen lassen. 
 
 


Jetzt noch ein paar wissenswerte Dinge über die isländische Badekultur.
Die Thermen, wie wir sie kennen, gibt es so nicht direkt. Ruheräume oder Liegestühle sucht man vergebens. Wir waren anfangs etwas skeptisch, besteht doch ein Thermenbesuch bei uns aus baden und schlafen ;-)) 
 
Die Neugierde siegte und wir besuchten das "Myvatn Nature Baths", quasi eine Therme im Island-Style. 
Und so läuft das ganze ab: Man bezahlt Eintritt und geht dann in Richtung Duschen/Umkleiden. Die Schuhe zieht man vor diesem Bereich aus und stellt sie zu allen anderen in ein Regal.
Dann muss man ohne Badekleidung duschen (da sind die Isländer sehr genau!) und anschließend stehen einem alle Becken offen :-) Man switcht von einem Becken zum anderen (das eine ist halt etwas kühler, das andere wärmer,...) oder man geht in die Dampfsauna. Und so gehts immer weiter, ein ewiger Kreislauf, denn - wie gesagt - Liegemöglichkeiten gibt es keine!
 
Nach 3 Stunden waren wir dann vollständig aufgeweicht :-) 


Das Wasser ist milchig-trüb, der Beckenboden ist mit feinen Lavasteinen bedeckt